Neun Monate Elternzeit und nichts ist wie es war…

Mit einem Kind verändert sich das ganze Leben: Der eigene Lebensrhythmus wird komplett durcheinander geworfen, die Schlafens- und Essenszeiten passen sich dem Baby an. Spaziergänge mit dem Kinderwagen, Babyschwimmen und Shoppingtouren in Läden mit Babybedarf nehmen viel Zeit in Anspruch. Gespräche werden nur noch übers Essen, Schlafen, Wickeln und den Fortschritten des Babys geführt.
Da könnte es doch beruhigend sein, nach neun Monaten wieder in den altbekannten Arbeitsalltag in der Stadtbücherei Münster einzusteigen.

Aber selbst hier ist nichts mehr wie es war?!?

vm_dvdSchon bei Besuchen in der Bücherei habe ich einiges bemerkt. Frischgebackene Eltern haben nicht mehr so viel Zeit zu lesen. Entweder hält die eigene große Müdigkeit davon ab oder man ist dauernd mit dem Kinderwagen unterwegs. Daher sind in der Elternzeit DVDs oder Blu-rays eine echte Alternative geworden, muss ich gestehen. Diese bestelle ich mir natürlich in der Bücherei und leihe sie aus. Nur finde ich sie gar nicht mehr im Vorbestellregal. Vielleicht hätte ich die Vorbestellmails richtig lesen sollen, sie sind inzwischen an der Servicetheke abzuholen.

kreativ_gestaltenViele Veränderungen hat es im Nahbereich gegeben. Da wollte ich nach Näh- und Basteltipps suchen und habe die Auswahl „Kreativ gestalten“ und „Für Gruppe, Fest und Feier“ nicht mehr gefunden. Im 2. Obergeschoss bei der großen Abteilung „Sport Spiel Basteln“ entdecke ich die verschiedensten Kreativhefte. Ein paar Schritte weiter sind die weiteren Hobbybücher nicht weit entfernt. Der neue Standort gefällt mir daher viel besser.

fremdsprachigAuf dem Weg ins zweite Obergeschoss fallen mir mehrere Schilder auf. „Fremdsprachige Romane finden Sie im 1. Obergeschoss bei der Belletristik“. Dann sind diese also auch nicht mehr im Nahbereich sondern zwischen Romanen und den Sprachbüchern aufgestellt.

noten_leerWarum das so ist, erzählen mir meine Kollegen: „Mehr Raum für Menschen“ nennt sich das Projekt der Stadtbücherei. Das erklärt auch die leeren Regale, die ich entdeckt habe. Große Lücken sind z. B. in den Regalen im Untergeschoss für Musiknoten entstanden. Zum Glück gibt es die Noten aber immer noch. Sie haben ihren neuen Standort im Magazin. Auf Nachfrage werden sie von den Kolleginnen und Kollegen in der Mediothek herausgeholt und können natürlich ausgeliehen werden. Ähnliches gilt für die Informatik-Abteilung. Auch hier sind freie Regalflächen entstanden, die Bücher können ebenfalls aus dem Magazin heraus ausgeliehen werden.

informatik_magazin

Viel hat sich in den letzten Monaten getan und noch mehr wird in den nächsten Monaten passieren. Bestimmt entdecke ich noch mehr und werde darüber berichten.

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„Und wenn du nicht mehr weiter weißt …“

„… dann gründe einen Arbeitskreis …“ Ja, ja. Ich sehe das Lächeln, das um Ihre Lippen spielt. Und nun werden Sie lachen! Wir haben sogar drei Arbeitskreise gegründet! Aber vermutlich ist „Arbeitskreis“ auch die falsche Bezeichnung für unsere Vorhaben. Projekte  trifft es sicher besser. Also: Wir haben drei Projektteams gebildet. Ein Team befasst sich mit der „Jungen Welt“ (Sie erinnern sich an den Traum, ein chilliges Areal für Jugendliche zu schaffen?). Ein Weiteres erstellt eine Vorstudie zum Thema „Gaming“ (Games gewinnen in der Gesellschaft immer mehr an Bedeutung und deshalb möchten wir uns hier profilieren!). Und ein drittes Team kümmert sich um die „Literarische Welt“ im „anderen“ Bauteil. Begleiten Sie hier unsere Projektteams bei ihrer Arbeit.

Das ganze Haus im Blick ...

Das ganze Haus im Blick …

Worum geht es denn hier eigentlich?

Veränderung! Wandel! Dynamik! Entwicklung! Tempo! Rasanz! Verschiebung!
Darüber haben wir nun genug geschrieben. Und auch darüber, dass wir uns nicht zurücklehnen wollen. Was also werden wir tun?
Nehmen Sie „Mehr Raum für Menschen“ wörtlich. Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich vor, Sie betreten die Bibliothek und finden einen Bereich vor, der dazu einlädt, Entdeckungen zu machen, Neues zu erfahren, sich gemütlich zum Lesen nieder zu lassen oder sich mit anderen Besuchern auszutauschen. Keine Supermarkt-Atmosphäre, stattdessen Leselounge, aktuelle und besondere Medien in Szene gesetzt, stimmungsvolles Licht. Und gleichzeitig begegnen Ihnen die virtuellen Angebote der Bücherei, deren Inhalte werden erlebbar.
Folgen Sie uns nun ins Untergeschoss. Hier heißt es: Mehr Raum für Kinder und Familien und Freizeittreff für Jugendliche. Die jetzige Kinderbücherei wird endlich wirklich eine Kinderbücherei! Bücher und Medien für Jugendliche werden hier nicht mehr angeboten. Für junge Menschen entsteht ein attraktives Areal zum Chillen, Lesen, Freunde treffen und – gamen! Gaming in der Bibliothek? Aber ja! Unbedingt!
Wir betreten den „anderen“ Bauteil. Er behält seinen Charakter als klassische Bibliothek, bekommt aber mehr Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten, also mehr Raum für Lernende.
Eine Etage wollen wir allerdings auch hier etwas verändern. Nennen wir den Bereich: „Literarischer Salon“ oder „Kulturetage“ oder „Kulturdeck“ oder … (für die Namensfindung haben wir ja noch etwas Zeit …) Entstehen soll ein Ort für kleine literarische Veranstaltungen, selbstorganisierte Lesezirkel, Poetry Slam, etc.
Sind Ihre Augen noch geschlossen? Glauben Sie, Sie träumen …?

Bibliotheken inspirieren

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… und Bibliotheksmitarbeiterinnen, die ihre Bibliothek weiterentwickeln möchten, lassen sich inspirieren. Unser erste Tour führte nach Amsterdam, in die „Openbare Bibliotheek Amsterdam“

Die Eckdaten beeindrucken, auch ohne dass man vor Ort war: 28.000 Quadratmeter Publikumsbereich, 300 Internetplätze, 1000 Sitzplätze, intergriert sind ein Theater und ein Restaurant, täglich (!) von 10 bis 22 Uhr geöffnet, durchschnittlich 5.000 Besucher pro Tag, …

Eindrücke, die ich mitgenommen habe: Ein Publikumsmagnet sondersgleichen – selten habe ich eine so belebte, ja belagerte Bibliothek gesehen. Beeindruckend fand ich, wie es dem Architekten gelungen ist, durch die Raumplanung unterschiedliche Zonen für divergierende Nutzungsinteressen und Zielgruppen zu schaffen. Die Internetplätze waren fast alle belegt – an den Bücherregalen habe ich kaum jemanden gesehen – ein Bibliotheksbesuch, der lange nachgewirkt hat, weil er mich als Fachfrau sehr deutlich konfrontiert hat mit Zukunftsfragen und -fragezeichen.

Wer Lust hat auf weitere visuelle Eindrücke, findet sie reichlich zum Beispiel auf FlickR.

„Mehr Raum für Menschen“ – oder: Warum lassen wir nicht alles wie es ist?

Büchereien allgemein und die Stadtbücherei Münster speziell sind lang bewährte und stabile Institutionen – Anlaufstellen, die so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Doch auch wenn sich unser Angebot über viele Jahre bewährt hat, bemerken wir einen spannenden Wandel. Auf den möchten wir nicht nur reagieren, sondern ihn aktiv mitgestalten.

Das Kundenverhalten verändert sich, Menschen entwickeln sich, Generationen wechseln und über die digitalen Fortschritte und die Auswirkungen auf die Gesellschaft fangen wir mal lieber gar nicht erst an zu philosophieren. Für uns als Bücherei sind es vor allem die Kunden und die Medien, die uns interessieren. Und genau in diesen zwei Bereichen beobachten wir die größten Veränderungen:

Immer mehr Menschen kommen nicht mehr nur in die Bücherei, um gezielt Medien auszuwählen und auszuleihen, sondern um sich bei uns aufzuhalten. Da sehen wir Lerngruppen, die sich um die letzten freien Tische scharen, genervte Warteschlangen an den PC-Arbeitsplätzen und Leseratten, die sich suchend nach einem entspannten Platz zum Lesen umschauen.

Auch im Bereich der Medien nimmt der Wandel Fahrt auf bzw. beschleunigt sein Tempo. Gedruckte Bücher bekommen unverstaubt in digitaler Form eine Bedeutung. Dadurch sind die Inhalte nicht mehr an Ort und Zeit gebunden. Rasant entwickelt sich z. B. unser eBook-Angebot (Muensterload.de). Es gilt, die virtuellen und realen Angebote geschickt zu verknüpfen, sie gleichberechtigt zu präsentieren und nicht mehr künstlich auseinanderhalten zu wollen.

Natürlich ist durch die virtuelle Dynamik das Bedürfnis der Kunden nach Orientierung – egal ob real oder virtuell – größer geworden. Gerade im eBook-Bereich sind viele unserer Kunden dankbar für die Beratung (ohne kommerziellen Hintergedanken). Sowieso ist mehr denn je unsere Informations- und Recherchekompetenz gefragt. Dies zeigt z.B. auch die hohe Nachfrage nach Schulungen für die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe.

Natürlich könnten wir uns zurücklehnen und die aktuellen Entwicklungen beobachten, beschimpfen, belächeln oder ignorieren. Aber das ist uns zu gefährlich, denn: „In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillsteht und sich nicht bewegt.“ (Zitat von Ludwig Börne)