Kinderreich auf Erfolgskurs

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Jetzt wird es höchste Zeit, dass sich mal jemand aus der Kinderbücherei zum Projekt äußert, „last call for papers“ mahnen die Blogkolleginnen an. Stimmt: Über 30 Jahre war ich mit der Entwicklung der Kinderbücherei beschäftigt und gehe ganz bald, ausgerechnet in dieser Aufbruchphase, in den Ruhestand.
Ein weiterer Grund: Hätte es ohne die Abstimmung der Kundschaft der Kinderbücherei mit den Füßen das Projekt „Mehr Raum für Menschen“ überhaupt gegeben?
Allein diese Zahlen: 1993 sind wir mit 20.000 Medien und 118.000 Entleihungen pro Jahr in den Neubau gezogen, jetzt machen 30.000 Medien fast das Dreifache an Ausleihen. Die Anzahl der Klassenführungen hat sich vervielfacht, Veranstaltungen vom Bilderbuchkino bis zur Mega-Nacht der Bibliotheken oder dem Manga-Sommer-Samstag  sind auf dem Areal von 412 qm für Gäste und Kundschaft – und unser Team – nicht immer komfortabel durchzuführen.

Aber sie kommen alle – wie schön! Erst waren es vor allem die Schulkinder. Nach Harry Potter und mit der Fantasywelle mischten sich auf einmal auch Erwachsene in die Kundschaft der Kinderbücherei. Mit den CDs und DVDs und dann mit den CD-ROMS erreichten wir weitere Interessenten. 9 Jahre nach dem Umzug wurde erstmals der Kinderbücherei eine neue innenarchitektonische Struktur verpasst: in kleinen Nischen konnten die neuen Internetplätze ausprobiert werden oder Kids chillten jetzt in Sitzsäcken (nur nannte das noch niemand so) – die Älteren waren jetzt endlich mal ein bisschen für sich.

Aber seit einigen Jahren sind nicht nur diese Plätze heiß begehrt: Kinder treffen sich zur Forschung für ihre gemeinsame Facharbeit, Nachhilfestunden finden gleich hier statt. Der Raum: Sachbücher vorhanden, IT-Recherche möglich, Sitzecken gemütlich und kostenlos – was gibt es Besseres?
Na ja, mit den Konsolenspielen im Angebot wächst natürlich gleich auch die Begehrlichkeit: kann man sie hier mal ausprobieren? Kein Platz für Gaming, zurzeit können wir das nur gelegentlich im Rahmen von Ferienevents mit technischem Aufwand anbieten.

Internetplätze für Recherche und Checken der Mails nach der Schule, das geht. Aber für Jugendliche ist die Kinderbücherei zum Abhängen trotz WLan nicht besonders cool. Da passiert es häufig, dass nachmittags die 15-Jährige sich durch die krabbelnden Windelflitzer schlängeln muss, um zu dem Thriller-Angebot zu kommen oder mit einer Mystery-Romance ins Wochenende zu gehen.
Morgens drängelt sich neben den Schülern bei der Klassenführung mit Stationenlernen oder der Buchstabenrallye auch die Kita-Gruppe auf Spontanbesuch vor den Regalen.

À propos: Am Samstag ist neben dem Wochenmarkt die Kinderbücherei DER Treff für Familien. Und wo parken die ganzen Kinderwagen?
Das leidige Platzproblem und der Bedarf an mehr Aufenthaltsqualität wachsen stetig mit den geänderten Bedürfnissen unserer kleinen, jungen und natürlich auch erwachsenen Kundinnen und Kunden.
Dass das bisher einigermaßen reibungslos klappte, ist sicher der Toleranz und dem Langmut der Kinder, Eltern und Lehrer zu verdanken.
Aber mit dem Projekt „Mehr Raum für Menschen“ wird vieles besser: Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Manches ist schon sichtbar, an manchen Ecken ist es so richtig unordentlich – irgendwie müssen wir unser aufgeräumtes Image ja mal konterkarieren – , aber Ende Juni soll es startklar sein – Codewort JuWel!